Klassisch- iberische Reitweisen


Bei Klassisch-iberische Reitweisen sind allgemein gesagt, die Reitstile in Spanien genauso unterschiedlich wie in Deutschland. Jedoch ist das Arbeiten mit dem Pferd in Spanien nicht ein bloßer Sport,sondern ein Bestandteil des Lebens und ein wesentliches Stück Kulturgut. Das Reiten drückt sowohl Perfektion und Stolz, wie auch Lebensfreude und Spaß an der Bewegung aus. Vielleicht so ähnlich wie der Flamenco. Beides – Tanz und Reiterei – sind unwiderruflich mit Spanien verbunden.

 

Doma Classica ist sozusagen Dressur-Ausbildung in höchster Vollendung, wie in unserer Turnierreiterei. Voraussetzung ist die Versammlung. Die klassischen Lektionen sind Seitengänge,Traversalen, Piaffe, Passage, Fliegende Wechsel und außerdem der spanische Schritt/Trab. Sie gilt als Vorbereitung zur Hohen Schule, wie wir sie aus den bekannten spanischen Reitschulen in Jerez und Wien kennen.

 

Alta Escuela oder auch Hohe Schule genannt, ist heute keine typische iberische Reitweise mehr, sieht man vom Spanischen Schritt und dem Spanischen Trab einmal ab. Die meisten Lektionen auf der Erde sind Bestandteil von Grand Prix – Prüfungen international.

Generell gilt jedoch, dass die Spanier die ersten Reiter waren, welche ihre Pferde in einer entsprechenden Versammlung reiten konnten. Und die Wiener Hofreitschule – das Mekka der Hohen Schule - wurde bezeichnenderweise mit Pferden spanischer Abstammung gegründet.In dieser Reitkunst sehen wir alle Lektionen der Doma Classica auf der Erde sowie die typischen Lektionen über der Erde wie Levade, Pesade, Kapriole, Courbette etc.

Dass hier ein unbeirrbares Vertrauen des Pferdes in den Reiter vorherrschen muss, braucht man nicht zu erwähnen. Eine besondere Kunst, welche auf die uns bekannten Hilfen verzichtet, ist die Arbeit der Pferde am langen Zügel und zwischen den Pilaren. Für diese Arbeit muss ein Reiter seine Kunst schon sehr gut verstehen, es gibt Wenige in Deutschland die dies beherrschen.

 

Als Doma Vaquera wird die Arbeitsreitweise der berittenen Hirten bezeichnet, die bereits im 17. Jahrhundert in Andalusien erwähnt wurde. Hierbei werden die Rinderherden bewacht oder getrieben, einzelne Tiere aussortiert oder die Kampfbereitschaft der jungen Stiere getestet. Ähnlich wie in der Westernreiterei setzt sie sich im Wesentlichen aus Schritt und Galopp zusammen und wird einhändig geritten. Wichtige Grundlagen sind dabei Traversalen, Piouretten, schnelle Starts und Stopps im Galopp, Versammlungen und Galoppwechsel. Schnelligkeit und Wendigkeit des Pferdes ist dabei besonders wichtig. Der Zügel spielt in der Hilfengebung nur eine geringe Rolle, der Reiter arbeitet das Pferd mit Gewicht- und Schenkelhilfen. Dazu kommt das Arbeitsgerät der Hirten - die Garrocha - eine drei Meter lange Holzstange, die zum Selektieren der Jungstiere benutzt wird und um die Angriffsbereitschaft zu prüfen..

Working Equitation fasst die alten europäischen Arbeitsreitweisen zusammen. Sie sind die Ursprünge des Westernreitens. Arbeit am Rind gab es in Europa in Portugal,Spanien, Frankreich und Italien. Das Hüten und Treiben der (Wild-) Rinder war nur regional nötig und daher keine überlebenswichtige Tradition für die Menschen. Mit zunehmender Modernisierung drohten diese Arbeitsreitweisen immer mehr in Vergessenheit zu geraten und wurden nur noch von Liebhabern kultiviert. Daher entstand die Idee, für diese verschiedenen europäischen regionalen Arbeitsreitweisen einen internationalen Verband, Standards und Vergleichswettkämpfe ins Leben zu rufen, bevor sie in der Versenkung verschwinden. Working Equitation war geboren.

Die Arbeitsreitweisen werden in den fortgeschrittenen Leveln einhändig auf blanker Kandare geritten. Die Einsteigerlevel dürfen beidhändig auf Trense oder Kandare mit Unterlegtrense geritten werden. Die Prüfung besteht aus vier Teilwettbewerben: Einer Dressur, einem Trail, der Rittigkeit, Vertrauen und Gehorsam der Pferde überprüft, der dann noch einmal als Speedtrail nach Schnelligkeit geritten wird und der Rinderarbeit.

Der übergeordnete Dachverband ist die WAWE (World Association for Working Equitation) in Portugal. Diesem Verband gehören mittlerweile Verbände aus 11 Ländern mit an. Seit 2008 gehört auch Deutschland dazu.

© www.working equitation.biz

 

Barockpferd ist nicht gleich Barockpferd! Bitte nicht alle, die ein sogenanntes Barockpferd reiten, zu den „Barockreitern“ zählen. Der Ausdruck Barockpferd bezeichnet lediglich ein mit einem Körperbau, der den in der Zeit des Barock in Mitteleuropa typischen Pferden ähnelt bzw. die unmittelbar und durch Zuchtbücher nachgewiesen von diesen Pferden abstammen und nicht die Reitweise. Man könnte diese Rassen auch als iberogene Rassen bezeichnen, da sie allesamt unter ihren Vorfahren einen ausgeprägten Anteil an Pferden von der iberischen Halbinsel haben, die im Barock an den Höfen Europas sehr beliebt waren. Bedeutend für die Definition dieser Rassen ist weiterhin eine systematische, koordinierte Zucht, zumeist durch die Königshäuser, die sich auf ein Zuchtbuch stützt, so dass die heutigen Barockpferde sich häufig bis in die Barockzeit zurückverfolgen lassen. Charakteristisch waren zu dieser Zeit etwas kleinere Pferde (ca. 150-160 Zentimeter Wiederristhöhe) mit eher kurzem Rücken. Diese Pferde sind oftmals besonders für Lektionen der Hohen Schule geeignet. Gerne werden sie in Shows u.ä. gesehen aber mehr und mehr auch in den FN-Turnieren.

Zu den Barockpferden zählt man unter anderem:

Altér Real Frederiksborger Friese Kladruber
Knabstrupper Lippizaner Lusitano  Mangalarga Marchador
Murgese Menorquiner Andalusier Pura Raza Española (PRE)

Kontakt:

Angela Klee
klee.angela@t-online.de